Lehrveranstaltungen

Seminare und Vorlesungen im WS 26/27

Ringvorlesung »Textkulturen« 2 SWS  

Modul Master: Texte denken

St. Pabst/D. Weidner, S. Staffeldt, D. Fulda/E. Décoltut/S. Schultz-Balluff/J.-K. Mende, A. Seidel, Chr. Holm/G. Berg

Ludwig-Wucherer-Str. 2, Hörsaal IV
Fr 10-12 Uhr

Die Ringvorlesung begleitet die Einführung des neuen Masterstudiengangs Textkulturen. Sie beschäftigt sich mit ethischen, theoretischen und epistemologischen Fragen des Umgangs mit Texten. Als ‚Text‘ werden hier nicht nur literarische, sondern Texte in ihrer ganzen formalen und pragmatischen Breite von der Reportage bis zum Brief, zum Tagebuch oder zum Internetpost verstanden. Was sind Texte? Muss der Autor eines Textes ein Mensch sein? Gibt es eine Moral von Texten? Welchen Wahrheitsanspruch erheben sie? usw. Vieles wird man aus der Literatur- und Sprachwissenschaft gehört haben, was aus einer anderen Perspektive wieder auftaucht. An der Vorlesung sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus der Literaturwissenschaft und Linguistik des Instituts beteiligt.

Seminar »Texte als Daten denken: Texttheorie unter Bedingungen von Digitalität« 2 SWS

Modul Master: Texte denken

J.-K. Mende

Ludwig-Wucherer-Str. 2, Raum 19
Die 12-14 Uhr

Masterstudiengänge
Maximale Teilnehmerzahl: 24

Was ist ein Text? Diese Grundfrage der Texttheorie stellt sich im digitalen Zeitalter neu. Zwischen Digitalisaten und digital-born Texten, zwischen Code, Daten, Links und Zeichen verschieben sich die Grenzen dessen, was wir als Text verstehen. Das Seminar nähert sich dieser Frage anhand theoretischer Texte aus Linguistik, Literaturwissenschaft und Digital Humanities und behandelt Themen wie Kohärenz im digitalen Raum, Hypertext und Hyperlink, die Semiotik von Unicode sowie das Verhältnis von Text, Kontext und Korpus. Anhand konkreter Beispiele von digitalen Editionen bis zu experimenteller E-Literatur diskutieren wir, wie sich Textbegriffe unter Bedingungen von Digitalität verändern und was das für die Texttheorie bedeutet.

Seminar »Das Essay als Form« 2 SWS

Modul Master: Texte denken

St. Pabst

Ludwig-Wucherer-Str. 2, Raum 22
Mo 12-14 Uhr

Der Essay ist eine etwas unscharf umrissene Gattung, die zwischen Reflexion und Erzählung, Subjektivität und Objektivität, Literatur und Wissenschaft schwankt. Das macht die Schwierigkeit ihrer Bestimmung aber auch ihren Reiz aus. Das Seminar beschäftigt sich an Beispielen vornehmlich des 20. und 21. Jahrhunderts von Theodor W. Adorno bis Judith Schalansky mit seiner Funktion und seiner Poetik. Natürlich können Essays prinzipiell jedes Thema haben, hier aber geht es uns um solche, die eine Nähe zu Fragen der Literaturwissenschaft aufweisen, sich also mit Fragen des Erzählens, der Autorschaft oder des digitalen Textes befassen. Damit begleitet das Seminar die Ringvorlesung Textkulturen und richtet sich v.a. an Studierende des entsprechenden Studiengangs. Ziel des Seminars ist es, einen eigenen Essay zu einem der in der Vorlesung angebotenen Themen zu verfassen, den wir dann zusammen auf einer kleinen Klausurtagung an einem Wochenende diskutieren werden. Bitte halten Sie sich dafür das Wochenende 16./17.1. 2027 frei.

Blockseminar »Kann man Literatur zeigen? Ausstellungskonzepte im digitalen Zeitalter« 2 SWS

Modul Master: Texte machen

Chr. Holm

Ludwig-Wucherer-Str. 2, siehe Annotation

Termine: Vorbesprechung am Freitag, den 13.10. von 12.00 bis 13.30 Uhr. Die vier Exkursionen finden jeweils an Freitagen statt: 30.10. von 9.30 bis 16.00 Uhr: Wunderkammer in den Franckeschen Stiftungen zu Halle mit Tom Gärtig (Kustos des Historischen Waisenhauses) und Kabinettausstellung in der Bibliothek mit Dr. Thomas Grunewald (Leiter des Studienzentrums); voraussichtlich 20.11. von 9.00 bis 19.00 Uhr: Ausstellung „Faust“ in der Klassik Stiftung Weimar mit Dr. Folker Metzger (Leiter des Stabsreferats Kulturelle Bildung); voraussichtlich 11.12. von 9.00 bis 16.00 Uhr: Dauerausstellung zum 18. Jahrhundert im Stadtmuseum Halle mit Dr. Berit Wagner (Kuratorin Christian-Wolff-Haus); 15.1.2027 von 9.00 bis 16.00 Uhr: Stammbuch-Sammlung der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle mit Dr. Julia Knödler (Leiterin der Historische Sammlungen der ULB). Die jeweilige Hin- und Rückreise ausgehend vom Hbf. Halle sowie Mittags- und Kaffeepausen vor Ort sind bereits eingerechnet.

Die Aufklärung gilt vor allem als eine Epoche des Denkens, der Ideen und folglich der Texte. Sie selbst hat sich jedoch auch als „papiernes Zeitalter“ beschrieben, das ganz konkret danach fragt, wie Handschriften oder Druckzeugnisse durch ihre Wahrnehmungsvorgaben für Hand und Auge an der Bedeutung der Texte mitarbeiten. Genau diese Überlegungen haben in unseren Tagen erneut an Aktualität gewonnen, da wir den Umgang mit analogen und digitalen Texten unterscheiden. 

Die grundsätzliche Frage, ob man Literatur zeigen kann, nahm um die Jahrtausendwende im Übergang vom papiernen zum digitalen Zeitalter an Fahrt auf. Debattiert wurde, ob die materialen Trägermedien von Texten im Leseakt verschwinden und somit austauschbar sind, oder ob sie eine eigene agency einbringen. Vor diesem Hintergrund fragt das Seminar sowohl nach historischen als auch nach gegenwärtigen Ausstellungskonzepten von Texten im Allgemeinen und Literatur im Besonderen. Dafür wählt es einen Parcours durch Museen und Sammlungen des langen 18. Jahrhunderts, in denen sich sowohl historische Präsentationsformate erhalten haben als auch aktuelle Ausstellungsformen erprobt werden. Es beginnt in den Franckeschen Stiftungen mit dem Schriftenschrank in der Wunderkammer, es folgt die multimediale „Faust“-Ausstellung der Klassik Stiftung Weimar. Beide Häuser haben flankierend zu ihren analogen auch virtuelle Ausstellungen erstellt, die vergleichend analysiert werden. Beim Besuch der Ausstellungen sind auch Gespräche mit den oben genannten Kooperationspartner:innen vor Ort eingeplant, so dass das Seminar auch eine berufsorientierende Ebene mitführt.

In der zweiten Hälfte des Seminars konzentriert es sich auf eine besondere Textsorte des „papierenen Zeitalters“: historische Freundschaftsalben von Studenten, sogenannte Stammbücher. Im Wolff-Haus sind solche Alben in die Ausstellung eingebunden, in der Sammlung der Universitäts- und Landesbibliothek in Halle haben wir Gelegenheit, sie sowohl in der Datenbank zu sichten, als auch selbst in die Hand zu nehmen. Abschließend sollen Konzepte entworfen werden, wie man eine analoge, wie eine digitale Stammbuch-Vitrine konzipieren könnte.

Ein digitaler Reader mit Quellenauszügen und Forschungstexten zur Text- und Ausstellungskultur der Aufklärung im Allgemeinen sowie zu den einzelnen Häusern und Ausstellungen im Besonderen wird bereitgestellt. Teilnahmebedingungen sind die Wahrnehmung aller vier Exkursionstermine, die Vorbereitung der Lektüre sowie das schriftliche Porträt eines Stammbuchs der eigenen Wahl (Studienleistung). Je nach Studiengang kann die Modulleistung in Form einer Ausstellungsrezension oder einer Ausstellungskonzeption erbracht werden.

Seminar »Autor, Werk & Varianz in der Vormoderne« 2 SWS

Modul Master: Texte denken

S. Schultz-Balluff

Ludwig-Wucherer-Str. 2, Raum 22
Mo 16-18 Uhr

Gegenstand des Seminars ist das Nach-Denken über die ‚Gemachtheit‘ vormoderner Texte: Welche Vorstellungen von Autor und Autorschaft kennzeichnen das Mittelalter und die frühe Neuzeit? Welches Werkverständnis herrscht vor und was für Auswirkungen hat dies auf die Adaption von Stoffen und die Produktion von Texten? Warum sind Überlieferung und Varianz für vormoderne Literatur von zentraler Bedeutung?

In dem Seminar werden wir dem historischen Verständnis von Text, Werk und Autorschaft nachgehen, aber auch nach dem Selbstverständis vormoderner Autoren fragen. Da Autorschaft und Werkverständnis ganz wesentlich von der Stoff- und Überlieferungsgeschichte abhängen und Ausdifferenzierungen zeigen, die für moderne Texte nicht (mehr) gelten, werden wir die zeitgenössische Textproduktion, die Aufführungssituationen und Rezeptionsformen, die Überlieferung und vor allem die mit ihr einhergehende textuelle (und inhaltliche) Varianz thematisieren. Forschungsansätze der letzten Jahre sehen dabei den Text als ‚fest‘ oder ‚unfest‘ an und konstatieren auch, dass ‚Texte unterwegs‘ sein können.

Den Ausgangspunkt bildet die Lektüre theoretischer Abhandlungen. Darüber hinaus werden wir die in den historischen Texten recht zahlreich enthaltenen Literaturexkurse einbeziehen und uns anhand der Originaltexte ein Bild vom (Selbst-)Verständnis vormoderner Autoren erarbeiten.

Informationen zu den Studien- und Modulleistungen werden in der ersten Sitzung gegeben.

Vorbereitend ist folgendes zu lesen (s. auch Ordner in StudIP):

Thomas Bein: Deutsche Literatur des Mittelalters. Eine Einführung in die Germanistische Mediävistik. Berlin 2020(Grundlagen der Germanistik 64).

Daraus: Abschnitt 4: Autor, Publikum und Text (S. 62-73)

Abschnitt 5: Textkultur und Medienkultur (S. 74-82)